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Christa
Hoffmann
6. Dan Judo Judo-Abteilungsleiterin und Judo Chef -Trainerin im K.J.C. Ravensburg 88289 Waldburg
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I
N D E X

Judo ist nicht nur ein Techniksystem sondern Erziehung nach dem Judo philosophischen Hintergrund:
" Grundsatz des bestmöglichen Gebrauchs von Geist und Körper "
und der
" Grundsatz des gegenseitigen Helfens zum beiderseitigen Wohlergehen" .
Judo ist ein Weg zum rücksichtsvollen
Umgang mit sich und anderen.
So lernt man, seine Kräfte
zu dosieren.
Ganz wichtig erscheint dies
in einer Zeit in der bei Kindern eine
" Vergröberung der Sinneswahrnehmung "
zu erkennen ist.
Wenn die Sinne abstumpfen, steigt auch die Bereitschaft zur Gewalt.
Hier bietet sich gerade beim Judo eine Möglichkeit, etwas entgegenzusetzen, gewaltpräventiv zu wirken.
Ein Erfahrungsweg nicht nur
für selbstbewusste, selbstsichere, motorisch begabte, physisch und
psychisch robuste Kinder sondern auch
für die Ungeschickten,
Gehemmten, Ängstlichen und Unsportlichen die Hilfe am nötigsten
brauchen.
In der direkten körperlichen und fairen Auseinandersetzung werden Erfahrungen vermittelt, die anderswo nur schwer gemacht werden können.
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Treiben Sie vor allen Dingen Sport.
Der KJC bietet Ihnen eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten.
Sollten Sie sich für Judo entscheiden, dann kommen Sie zu uns. Wir freuen uns auf Sie und/oder auf Ihre Kinder.
Anläßlich der
Jubiläumsfeier "25 Jahre Judo mit Christa" im KJC Ravensburg e.V.
fand erneut eine Ehrung für Christa statt.
Im Namen des Württembergischen
Sportbundes überreichte Prof. Paul Hempfer, WLSB-Vizepräsident,
der langjährigen und engagierten Judo-Trainerin, Jugend- und Abteilungsleiterin
die Ehrennadel in Silber.

Bei den U17 Landesmeisterschaften
2004 in Ilsfeld wird Christa vom
WJV Vizepräsidenten
- Leistungssport, Gerd Lamsfuß, der 6. Dan verliehen.
Ehren-Dan für Christa Hoffmann
Nicht nur der Deutsche
Judo-Bund hatte anlässlich seines 50-jährigen Bestehens Grund
zum Feiern. Nachdem der Ehrenrat des Deutschen Judo-Bundes Ende 2003 in
Lübeck zusammentrat um verdienstvolle Judoka auszuzeichnen, erreichte
auch eine Botschaft die Judo Trainerin
des KJC Ravensburg. Als
Pionierin des Judo-Sports erhält Christa Hoffmann, den Ehren-Dan des
Deutschen Judo-Bundes (rot-weißer Gürtel).
Dies ist gegenwärtig
der höchste von Frauen erreichte Meistergrad.
Schon 1966 begeisterte
Christa Hoffmanns erster Trainer, der Franzose Monsieur Petri in Kehl/Straßburg,
das junge Mädchen für Judo.
Diese Begeisterung ist
bis heute nicht erloschen.
1968 wurde Christa Mitglied
im Freiburger Judo Club und begann gleichzeitig ihre Ausbildung im Kindergärtnerinnen
Seminar in Freiburg.
Als Frau Judo zu praktizieren
war zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. Christa hatte mit
allerhand Vorurteilen zu kämpfen und gehört
zu den Pionierinnen des
Frauen-Judo. Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit erforderten enorm viel Durchhaltevermögen
und Beharrlichkeit.
Denn erst 1970 hob der
Deutsche Judo-Bund das Verbot für Frauen-Judo-Wettkämpfe auf
und ermöglichte die 1. Deutsche Judo Meisterschaft
in Rüsselsheim,
an der Christa teilnahm.
Dass die männlichen
Judoka das Frauen-Judo belächelten machte diesen Weg nicht gerade
einfacher. Auch von der anfänglich herablassenden
Art der männlichen
Judoka ließ sie sich nicht beirren.
Aufgrund des großen
Teilnehmererfolges wurden Judo-Meisterschaften für weibliche Judoka
nunmehr zum festen Bestandteil innerhalb des DJB.
Um sich neben ihrer Ausbildung
im Kindergärtnerinnenseminar den Weg des Judo finanzieren zu können,
verdiente sich Christa Hoffmann mit Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen
das notwendige Taschengeld. Die Trainingsbedingungen waren hart.
Nach dem tödlichen
Absturz beim Alpin-Klettern der ebenfalls leistungsorientierten Trainingspartnerin,
mußte sie sich als einzige weibliche
Judoka im Training der
Männerkampfmannschaft behaupten. Erst nach der Fernsehübertragung
ihres Finalkampfes bei den Süddeutschen Meisterschaften 1972, damals
war Frauen-Judo noch eine Sensation, erhielt sie bei den folgenden
Meisterschaften national und international Betreuerunterstützung.
Sie nahm das Ehrenamt der Frauenwartin an, um im Badischen Verband das
Frauen-Judo mit voranzutreiben.
Nach ihrem beruflichen
Anerkennungsjahr erhielt sie 1972 eine Anstellung im ersten Deutschen Modellsportkindergarten
in Freiburg.
Schwimmen, Turnen, Rollschuhlaufen
vormittags mit den Kleinen, nachmittags Trainerin und Schulleiterin im
Großverein der gegründeten Judo-Freizeitschule mit wöchentlich
20 Stunden aktiver Lehrarbeit. Heute ist einer ihrer ehemaligen Schüler
Trainingsleiter.
1974 änderte sich
der berufliche Lebensweg von Christa Hoffmann. Sie gab die Kindergartentätigkeit
auf, um ihren Judoweg noch mehr zu intensivieren. Das führte zur Trainer
Lizenz, Übungsleiterin im Schul- und Behindertensport, zur Landeskampfrichterin
und zu Dan Prüfungen.
Die Liebe zur Jugendarbeit
in Lehre und Praxis ist für sie Beruf und Berufung.
1975 zog sie nach Baden-Baden
und gründete eine Sport- und Judoschule. Kinder von Prominenten und
Fernsehstars ließen sich von ihr in der Judo-Selbstverteidigung unterweisen.
1977 gehört sie
zum ersten A-Lizenz Trainerstab des Deutschen Judo-Bunds. Im selben Jahr
erhält sie von Alfred Rhode, dem Mitbegründer
des 1. Judo-Vereins in
Deuschland, einen rot-weißen Gürtel mit Autogramm und den Worten
des damals 80-jährigen:
„Mögest du ihn selbst einmal tragen!“
Nach 26 Jahre ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.
Der Gürtel, der inzwischen
eine ideelle Kostbarkeit darstellt, wird in einem Lackkästchen aufbewahrt.
Zusammen mit einer Autogrammsammlung hochgraduierter nationaler und internationaler
männlicher Judo Pioniere, ist er auch eine Erinnerung an einige inzwischen
verstorbener Vorbilder.
1982 legte Christa Hoffmann
als erste Frau Deutschlands die Prüfung zum 5. Dan und höchsten
Meistergrad ab der durch Prüfung erreicht werden kann (fünfter
schwarzer Gürtel).
1983 wechselte sie vom
Badischen Judo-Verband nach Württemberg und begann 1984 mit dem Aufbau
der Judo-Abteilung des KJC Ravensburg e.V., der Karate Hochburg mit Bundestrainer
Günter Mohr.
Als Judo-Abteilungsleiterin
und Trainerin aller Altersklassen im Breiten- und Leistungssport erfährt
die Judoabteilung einen starken Mitgliederzuwachs. Ihr unermüdliches
Engagement für ihre „Judo-Kids“ erntet Preise auf Landes- und Bundesebene.
1991 wird der KJC Stützpunkt einer Judo-Fördergruppe in Baden-Württemberg.
Aus einem Umkreis von 60 km kommen die Nachwuchstalente der Vereine regelmäßig
zum Stützpunkt-Training. Die optimalen Trainingsmöglichkeiten
im KJC machen ein erfolgreiches Kooperationsprogramm Schule/Verein möglich,
das bis auf Bundesebene mit Erfolgen gekrönt ist. Ihr unermüdliches
Engagement zahlt sich aus. Seit 10 Jahren begleitet sie auch das Ehrenamt
als stellvertretende Prüfungsreferentin im Judo-Verband.
1995 wurde sie bei der
Sportlerehrung der Stadt Ravensburg für ihren Verdienst als Ehrenamtliche
Sportfunktionärin geehrt.
1996 und 1997 war sie
Landestrainerin der Frauen U17.
1997 reist sie mit Karate
Bundestrainer Günter Mohr und einer deutschen Delegation nach Japan
in das Ursprungsland des Judosports.
1999 wurde sie mit der
goldenen Ehrennadel der Württembergischen Sportjugend ausgezeichnet.
Im Jahr 2000 brannte
das olympische Feuer in Sydney auch für eine Athletin deren Begeisterungsflamme
für den Judo Sport von Christa Hoffmann, ihrer ersten Trainerin entfacht
wurde. Auch in Athen wird Uta Kühnen, die Drittplatzierte der Weltrangliste,
erneut unter der Olympischen Fahne kämpfen.
Im Laufe ihrer langen
Trainertätigkeit durfte Christa Hoffmann viele junge Menschen auf
ihrem Lebensweg mit Freundschaft, Wertschätzung
und Dankbarkeit begleiten.
Mit folgendem Zitat und
einer Einladung auf ein Wiedersehen in Japan, verabschiedete sich eine
talentierte KJC Nachwuchskämpferin von ihrer Trainerin.
„... wenn man in eine
junge Seele edle Bildung säht, dann sprosst das und bleibt das ganze
Leben hindurch und weder Regen noch Dürre kann
es vernichten.“
Die Wurzel der Lebensschule liegt nicht allein in der sportlichen Ausübung sondern in der Schulung des Bewußtseins. Darin liegt die Meisterung seiner selbst und die Weisheit. Die Probleme des Lebens, die Höhen und Tiefen sind für jeden verschieden. Höhen und Tiefen, Sieg und Niederlage müssen durchlaufen werden, Freud und Leid ertragen und jeder braucht seine eigene Methode um sie zu lösen. Niemand kann ein wirklicher Meister werden, wenn er nur die ausgetretenen Pfade geht, philosophiert die 6. Dan Trägerin.
Doch wo schöpft die
Trainerin Kraft? Was macht sie in ihrer Freizeit?
Da gibt es noch einen
Ehemann mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet ist.
Obwohl nicht Judoka,
zeigt der Sportkinesiologe Verständnis für ihre ständigen
Wochenendeinsätze. Auch er wird oft mehrere Tage und Wochen
in ein Trainingslager
von Europa- Welt- und Olympia-Athleten auch anderer Sportarten gerufen.
In den gemeinsamen Ferien
werden die Rucksäcke gepackt, Bergzelt und was man eben so braucht
um in der Bergwelt Natur pur zu erleben. Weitwanderungen sind ihre Passion,
z.B. die Überquerung der französischen Pyrenäen vom Atlantik
zum Mittelmeer mit 800 km. Zusammen
haben sie schon über
6.000 km zu Fuß durchwandert und die Ruhe und Zweisamkeit bei diesem
Ausdauertraining genossen.
Was bedeutet Judo? Worin
liegt die Faszination dieses Sports?
Fragen, die immer wieder
gestellt und zum Verständnis des Lesers geklärt werden sollen.
Judo Historie.
Das Wort Judo setzt sich
zusammen aus den japanischen Begriffen Ju, bedeutet edel, vornehm, sanft
und Do, bedeutet der Weg, der Grundsatz, das Prinzip.
Der Begriff Judo ist
also zu übersetzen mit „sanfter Weg“, oder „die Kraft durch Weichheit
besiegen“.
Der Begründer des
Judo, Prof. Jigoro Kano, entfernte 1884 aus der ursprünglichen Kriegskunst
die der Selbstverteidigung dienenden gefährlichsten und schmerzhaftesten
Techniken und verbesserte dafür die für einen sportlichen Zweikampf
notwendigen Angriffs- und Verteidigungselemente.
Für den Judo-Sport
hat Jigoro Kano zwei Prinzipien formuliert, die verhindern, dass Judo in
einen simplen Kräftevergleich ausartet. Diese Prinzipien machen diese
Sportart zu einer Kulturform des Kämpfens.
Das technische Prinzip
„Siegen durch Nachgeben“, ist als Prinzip vom größtmöglichen
Nutzen und von der größten Wirksamkeit mit gleichzeitig kleinstem
Kraftaufwand zu verstehen. Wer dieses uralte Prinzip beherrscht, kann mit
geringem Kraftaufwand einen stärkeren Angreifer besiegen.
Besonders aber das ethisch
– moralische Prinzip wird den Forderungen der modernen Sportpädagogik
gerecht und versucht, neben motorischen auch soziale, emotionale und kognitive
Ziele zu verwirklichen. Das Studium des Judo umfasst Wissenschaft, Kunst,
Ethik und Philosophie.
Der Grundsatz vom gegenseitigen
Helfen zum allgemeinen Wohlergehen ist die wichtigste und soziale Leitlinie
des Judo und gibt wertvolle pädagogische Möglichkeiten im Sinne
der Gewaltprävention. Wettkämpfe sind ein Teil des Trainings
und sollen das Niveau der technischen Fertigkeiten überprüfen.
Daher gehören Erfahrung und Wissen zusammen und der Wettkampf bedeutet
„Gegeneinander in der Technik, verbunden im Geist.“
Es mag sein, dass Siegen
wollen das Ziel eines jeden Sports ist. Aber sein Wert und Adel liegen
in der Qualität neidloser Anerkennung menschlicher Errungenschaften,
gegenseitiger Achtung und Kameradschaft wie sie zwischen Sportlern angestrebt
werden.
Prof. Kano trug als Erziehungsminister
Japans entscheidend dazu bei, dass Judo als Fach in japanischen Schulen
unterrichtet wurde.
Die Überlegenheit
des neuen Systems und die Persönlichkeit Prof. Kanos ist für
die schnelle Verbreitung des Judo auf der ganzen Welt verantwortlich.
1905 wurde das 1. Europäische
Judo-Dojo (Trainingszentrum) in Paris gegründet und 1922 das 1. Deutsche
Dojo in Frankfurt a. M..
Als Prof. Kano 1938 starb,
wurde Judo bereits in 50 Nationen ausgeübt. Die Nominierung des Judo
als olympische Disziplin 1964 in Tokio,
war Japans größter
Verdienst um die Sportart Judo.
1992 wurde auch Judo
für Frauen ins Olympia-Programm aufgenommen.
Je länger man Judo
ausübt, desto mehr erhalten geistige Dinge eine Bedeutung. Vom Anfänger
zum Meister und vom Meister wieder zum Anfänger. Man lernt nie aus.
Der Kreis schließt sich. Die Gürtelfarben der Schüler und
Meistergrade symbolisieren dies. Vom weißen Anfängergürtel
farblich immer dunkler werdend bis zum braunen Gürtel der Gesellenprüfung
geht es über die fünf Dan Meistergrade mit den schwarzen Gürteln
zu den Ehren-Dangraden welche rot/weiß und rot den Judo-Weg aufzeigen.
10 Dan Grade gibt es. Obwohl Frauen in Deutschland seit über 40 Jahren
auf den Tatamis (Judomatten) ums Mitmachen kämpften, ist das Judo
eine Männerwelt. Während es in Deutschland inzwischen zwei 9.
Dan Grade gibt, ist die höchste Graduierung bei den Frauen der 6.
Dan und davon sind es nun seit Dato
gerade Mal fünf
Frauen die den Ehren-Dan verliehen bekommen haben.
Christa Hoffmann wünscht
allen weiblichen Judoka Ausdauer und die Kraft um auf ihrem Weg des Judo
nicht aufzugeben. Mit diesem Bericht möchte sie allen Judoka Anregungen
geben darüber nachzudenken, was Judo für alle sein kann und sein
sollte. Ein Sport sicherlich!
Aber ganz sicher auch
ein Weg, durchs Leben zu gehen.
Mit der Judo-Etikette,
die den Judo-Sport von den anderen olympischen Sportarten unterscheidet,
verneigt sich Christa Hoffmann mit
Dankbarkeit und Respekt
vor dem für sie noch lebendigen Geist Prof. Kanos, den Regeln und
der Philosophie des Judo, ihrem ersten
Trainer und weiteren
Lehrern auf ihrem Weg, ihren Sportkameraden und Gönnern, den vielen
ihr anvertrauten Judoka und all denen die
ihr die große Ehre
zuteil werden liesen.
Im Namen der Württembergischen
Sportjugend überreichte Prof. Paul Hempfer, WLSB-Vizepräsident,
der langjährigen und engagierten Judo-Trainerin, Jugend- und Abteilungsleiterin
sowie Fördergruppen- und Landestrainerin 96/97 die Ehrennadel in Gold.
Im Kreis ihrer Schützlinge
wird vor allem ihr konsequentes Fair-Play geschätzt, das sie gleichermaßen
vorlebt wie auch in ihrer Erziehung weitergibt.
Gutes Judotraining bildet
Kinder
nicht nur sportlich sondern auch menschlich.
Annika Golz im Gespräch mit Christa Hoffmann
Christa Hoffmann, die
Trainerin des KJC Ravensburg ist eine Trainerin von besonderer Art. Sie
trägt den 5. Dan, das ist der höchste schwarze Gürtel den
man mit einer Prüfung erreichen kann.
Sie ist langjährige
Judo- und Fördergruppentrainerin der ARGE in Baden Württemberg
und wurde mit der goldenen Ehrennadel wegen ihres vorbildlichen Unterrichts
und Engagement vom WLSB ausgezeichnet.
Sie war die erste Trainerin
von Uta Kühnen, die bei Olympia in Sydney
in der Gewichtsklasse
bis 78 kg startete und knapp die Bronzemedaille verlor.
Annika Golz hat mit Christa Hoffmann folgendes Gespräch geführt:
A.G.: Liebe Frau Hoffmann, Sie sind eine leidenschaftliche Judotrainerin. Warum unterrichten Sie gerade Judo?
C.H.: "Judo hat mich als Kind schon fasziniert. Mein erster Trainer, Monsieur Petri aus Frankreich, war für mich ein großes Vorbild. Er unterrichtete nach den zwei Prinzipien wie sie Professor Kano der Gründer des Judo Sportes formulierte:
Das technische Prinzip:
Siegen durch Nachgeben. Wer dieses Prinzip beherrscht, kann mit geringem Kraftaufwand einen stärkeren Angreifer besiegen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Das moralische Prinzip:
Gegenseitiges Helfen und
Verstehen.
Beim Judo wird nicht
gegeneinander, sondern miteinander trainiert. Zwangsläufig werden
soziale Eigenschaften wie Kooperationsfähigkeit, Mitverantwortlichkeit,
Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft ausgebildet.
Es waren sehr wertvolle Erfahrungen, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben und die ich heute, nachdem ich selbst Trainerin bin, an meine Schüler verantwortungsvoll weitergebe."
"Siegen durch Nachgeben,
nicht gegeneinander
sondern miteinander trainieren!"
A.G.: Was unterscheidet Judo von den anderen Kampfsportarten?
C.H.: "Jetzt
muß ich wieder auf die zwei Prinzipien zurück kommen. Wenn Judo
nicht nur zum Leistungssport degradiert wird, sondern in der Tradition
des Judosportes die wichtigen Grundgedanken tragende Säulen bei der
Ausbildung sind, ist der Judosport ein Erziehungssystem par exellence.
Höflichkeit, Bescheidenheit,
Aufrichtigkeit, Respekt, Mut, Selbstkontrolle und Freundschaft können
durch den Judosport vermittelt werden."
"Nicht schlagen, treten und zerstören, den Partner besiegen aber erhalten."
A.G.: Was ist für Sie persönlich das Wichtigste das Sie Ihren Judokas beibringen wollen?
C.H.: "Bei
den Anfängern in der Grundausbildung ist es hauptsächlich das
moralische Prinzip, das beim Erlernen der Techniken beispielhaft erlernt
werden kann.
Beim Fortgeschrittenen
setze ich das nötige Verantwortungsbewusstsein voraus, um anspruchsvolle
und schwierige Techniken ausführen zu können. Das Ziel ist aus
dem Fortgeschrittenen einen mündigen Athleten zu machen mit Eigenverantwortlichkeit
in Hinblick auf das spätere Leben. Leistung und Humanität, Sieg
und Moral, Erfolg und persönliches Glück sind nicht nur miteinander
vereinbar, sondern sind auch gegenseitig bedingend.
Ich bemühe mich,
den Trainierenden alle wichtigen Informationen zur Entwicklung und Optimierung
ihrer Leistungen weiter zu geben. Das Interesse meiner Athleten, ihre Gesundheit
und ihr Glück stehen über jeglicher Erfolgsziele. Es gibt sicher
Trainer, die es anders machen und schneller erfolgreich sind."
"Die Würde des Menschen
hat im Training
und Wettkampf immer Vorrang."
A.G.: Was denken Sie, ist an Ihnen so einmalig, dass alle Menschen Sie mögen?
C.H.: "Jeder Mensch ist einmalig und mögen tun mich bestimmt nicht alle. Manche Menschen bringt meine Gelassenheit und Ruhe auf die Palme. Sie merken erst später, dass sie im Unrecht waren. Wie in der Politik und im Beruf, so auch im Sport sind es immer die Frauen, die das Mehrfache leisten müssen um den selben Status wie männliche Kollegen zu erhalten. Was meine Schüler betrifft, werde ich ihnen immer auf der Matte und im sonstigen Leben mit Freundschaft begegnen. Unabhängig von ihrer Hautfarbe, sozialer Herkunft, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung werde ich sie gleich und fair behandeln, ihnen also mit Liebe begegnen."
"Liebe erzeugt Liebe."
A.G.: Stichwort Japan - das Herkunftsland des Judosportes. Wird dort anders trainiert ?
C.H.: "Ja
und Nein. Die Mentalität ist anders wie die eines Europäers.
Ein Japaner weiss, dass es leichter ist, tausend Dinge halb zu tun, als
auf einem Gebiet Meister zu werden. Er trainiert eine Technik so lange
und unermüdlich, bis sie perfekt ist. Mit geistigem Willen macht er
etwas Unmögliches möglich. Dem westlichen Judoka fehlt dazu die
Geduld. Es muss immer etwas Neues geboten sein, sonst ist es für ihn
langweilig.
Ein Trainingsanreiz sind
bei uns die Gürtelfarben. In Japan gibt es keine farbigen Gürtel.
Ein japanischer Judoka trägt so lange den weißen Gürtel,
bis er auf dem Stand eines Braungürtels ist und diesen von den Meistern
anerkannt bekommt. Japaner verstehen es, exzellente Techniken im Wettkampf
zu präsentieren. Einige Zeit herrschte das Kraft-Judo des Ostblocks
vor, das meiner Meinung nach den Judosport in den Medien unattraktiv machte.
Heute sind wir wieder auf dem besseren Weg."
A.G.: Bei der Olympiade in Sydney hat eine ehemalige Schülerin von Ihnen teilgenommen. Waren Sie enttäuscht, dass Uta Kühnen keine Medaille nach Hause gebracht hat?
C.H.: "Nein.
Sie wollte eine Medaille
und sie war auch eine Medaillenhoffnung für den deutschen Judo Bund.
Ich drückte ihr von ganzem Herzen die Daumen, dass ihr steter Trainingsfleiß
mit Olympischer Medaille gekrönt wird. Es sollte nicht sein. Vielleicht
in vier Jahren in Athen. Wer weiß? Jetzt muss sie erst einmal ihr
Studium beenden, das sie durch die Olympiavorbereitung in die Länge
gezogen hat. Für mich war es ein wunderbares Gefühl, dass der
Geist des Judo in einem meiner Schüler zum höchsten Wettkampferlebnis
- der Olympiade geführt hat."
A.G.: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Annika Golz
(Lao Tse)